Die Termine für die Besichtigung der Villa haben sich geändert! Hier finden Sie den Terminplan für August. Besichtigung
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Feuilleton

Villa Nova? Wie Szczecin!

Man kann sagen, eine Villa, und zugleich ganz Szczecin! Denn in ihrer Geschichte haben wir alles, was die Stadt miterlebt hat. Glanz und Verfall, Exotik und Politik, das Heimische und das Fremde, Hoch und Tief, Verwirrung und Durcheinander, Verlust mit Wiedergewinnung, und Schamotte – (feuerfest) und Getreide (so entflammbar). Das Schicksal der Villa selbst – vielschichtig, kontrastreich – könnte ein Beitrag zu einer symbolischen (manchmal ans Groteske grenzenden) Interpretation der Geschichte, nicht nur der Zeitgeschichte, sein.
August Lentz, ein wohlhabender Stettiner Unternehmer – Direktor einer Schamotte-Fabrik, auf dessen Wunsch und Auftrag die Villa in den Jahren 1888-1889 erbaut wurde, hatte nicht lange Freude an seiner beeindruckenden und luxuriösen Residenz (er starb im Alter von 65 Jahren, im Jahr 1895), obwohl er immer noch etwas länger lebte als ihr Schöpfer, Max Drechsler, ein junger, talentierter Architekt (Goldmedaille der Dresdner Kunstakademie), der im Jahr 1892 von Stettin nach Berlin geschäftlich verreist und nie wieder zurückgekommen ist. Denn er sich dort die Grippe zuzog und starb (ich schreibe dies in den Tagen der COVID 19-Pandemie, also mit zusätzlichen Überlegungen). Nun, vielleicht hätte Drechsler (der Nachname ist hier übrigens bedeutsam – schließlich ist Drechsler ein Beruf, der mit kreativem Handwerk und Konstruktion in Verbindung gebracht werden kann) in Stettin geschaffen und gebaut, wenn er nicht nach Berlin gegangen wäre. Das lässt mich an Veit Stoß denken. Der polnische Dichter Gałczyński, der auch zum Teil ein Stettiner war, schrieb: „Söhnlein, es ist ein großer Wind im Himmel. Geh nicht nach Nürnberg“, aber Veit ging hin und es ging schlecht aus. Auch die Villa verließ den Besitz der Familie Lentz und ging in die Hände eines anderen Kaufmanns (diesmal eines Getreidehändlers) und dann wurde sie von der Stadt Stettin übernommen. Im weiteren Verlauf wurde es noch interessanter. Sie wurde zum Hauptquartier der NSDAP (also der Hitlerpartei) und dann des Luftaufklärungsregiments (Luftgau-Nachrichten-Regiment 3). Kurz nach dem Krieg, durch den natürlichen und böswilligen Verlauf der Ereignisse, war sie ein Quartier der Roten Armee und dann – Achtung – der römisch-katholischen Kirche (um genau zu sein: apostolischer Verwaltungsdelegation mit dem Sitz in Gorzów Wielkopolski). Was aber nur kurz dauerte, denn schon 1950, genau am 7. November – dem Jahrestag der Oktoberrevolution – die Villa, die für einen Schamotte-Experten gebaut wurde, aber alle Merkmale eines aristokratischen Palastes hatte, erhielt zum ersten Mal eine offizielle Bezeichnung „Palast“. Noch mehr: Kinderpalast. Diese Institution – auf Wunsch der Gesellschaft der Kinderfreunde – wurde dort von der Stadt eingerichtet. In der Chronik des Palastes, die bis heute erhalten ist – ein Album mit Fotos, Presseausschnitten, aber auch handschriftlichen Einträgen – diese zweifellos nützliche Initiative wurde durch einen recht amüsanten Eintrag erklärt, der mit den Worten begann: „In der Zwischenkriegszeit gab es keine Aktivitäten im Bereich der außerunterrichtlichen und außerschulischen Bildung. Nun, in dem vom Faschismus befreiten Polen, ...“, usw. usw. Die Sache ist, dass in diesem Eintrag kein Wort über die Villa selbst, als einen interessanten Ort dieser Aktivitäten, verloren wird. Diese Aktivitäten dauerten viele Jahre lang an. Der Kinderpalast – am Jahrestag der Revolution, zwei Jahre später, in Jugendpalast umbenannt – funktionierte in Szczecin bis 2008. Und wie! Übrigens, vielleicht wäre es lohnenswert, eine kleine Tagung zu organisieren – nicht unbedingt am 7. November und nicht unbedingt mit Vorträgen und einem Präsidium an einem grün bezogenen Tisch, um die Errungenschaften des Stettiner Palastes – durch die Stimmen der Zeitzeugen, d.h. der ehemaligen Kinder – zu resümieren. Ich gebe zu, dass ich persönlich daran nicht teilgenommen habe. Vielleicht, weil die begehrtesten Kurse (Marine! Luftfahrt! – übrigens, hat damals irgendjemand an die „Tradition“ des Luftgau-Nachrichten-Regiments 3 gedacht?), lagen irgendwie nicht in der Sphäre meiner Hauptinteressen, aber in den folgenden Jahrzehnten gab es in dieser Einrichtung so viele verschiedene Formen der Gestaltung von „außerunterrichtlicher und außerschulischer“ Zeit für Kinder (und Jugendliche), dass ich, wenn ich mich nur entschieden hätte, länger Kind (und Jugendlicher) zu sein, sicher etwas für mich in diesem Angebot gefunden hätte. Aber im Ernst: Der Jugendpalast – der sich im Laufe der Jahre verändert und seine einstige ideologische Bedeutung verloren hat, aber auch in einer zunehmend verfallenen Villa immer ärmer wurde – ist eine echte Stettiner Tradition. Es ist nicht verwunderlich, dass er vielen Stettinern nahesteht. Aber als ich kürzlich einen Blick auf eine Website über die Villa Lentz warf, die gerade saniert wurde, und ich las, dass einige Leute wollten, dass es weiterhin „Palast der Jugend“ genannt wird, fühlte ich mich etwas verlegen...

Und das nicht unbedingt, weil ich mich im Jugendpalast ein wenig verloren fühlen würde – als Jugendlicher war ich das auf jeden Fall. Villa Lentz – ein Wunderwerk der Restaurierung, wie wir es in Szczecin noch nicht gesehen haben – sollte, ja, offen sein auch für junge Menschen. In der Tat! Vielleicht sogar für sie vor allem (obwohl das Kriterium des Jugendalters manchmal trügerisch ist, werde ich die These riskieren, dass die Jugend von heute, bevor sie es weiß – trotz der Fortschritte der Medizin – bevor sie es merkt, keine Jugend mehr ist), aber nicht nur für sie. Ich träume nämlich, dass die Villa Lentz einfach für Szczecin da ist. Und etwas weniger einfach: für die Stettiner Kultur, in einem weiten, aber auch in einem engen Sinne (der Raum dort ist riesig, aber dennoch intim). Und dass es in dieser Hinsicht nicht bei Worten und Erklärungen bleibt. Und dass sie als Sehenswürdigkeit und Baudenkmal (ein Denkmal des bürgerlichen Luxus – als Zeichen dafür, dass die Bourgeoisie früher anders war!) nur in den Zeiten „von-bis“ funktioniert.

Ja, sie kann eine „Perle“, wie sie heute gerne beschrieben wird, der Stettiner Architektur sein und als solche stolz in Broschüren und gegenüber Touristen zur Schau gestellt werden, aber in erster Linie sollte man sie sein lassen. Jeden Tag. Kurzum: Sie soll nicht zur Schau gestellt werden, sondern zeigen, was aus einem so ungewöhnlichen Ort werden kann, wenn man ihn mit authentischer menschlicher Energie erfüllt. Ich kann diese Erwartung sogar in einen Schrei verwandeln: Es lebe!

Allgemein verfügbar – jeden Tag und an Feiertagen, aber auch elitär, wenn es nötig ist, voller Ideen, die aber auch Initiativen von außerhalb ihrer Mauern fokussierend und nutzend – theatralisch (Monodramen! wo spielt man die heutzutage in Szczecin?), ausstellerisch, konzertant (Kamera auf Kammermusik!), literarisch... Das erste literarische Treffen, das dort organisiert wurde, war übrigens mit „Herrn Brandys“. „Kurier Szczeciński“ berichtete darüber (und es war das Jahr 1953) – mit einer großen Schlagzeile, dass „Herr Brandys zu spät kam“. Die Chronik des Palastes notierte jedoch die Details: „Er war spät dran. Wir haben zwei Stunden lang gewartet. Wir hatten die Hoffnung verloren. Er hat uns doch nicht im Stich gelassen.“ Die Aufzeichnung ist einerseits kalligraphisch (so wurden solche Chroniken damals geschrieben), andererseits aber auch faszinierend telegraphisch. Interessanterweise wird nicht gesagt, welcher „Herr Brandys“ zu spät kam und im Stich nicht gelassen hat – Marian oder Kazimierz, aber es ist anzunehmen, dass es Kazimierz war (ein ideologischer Kommunist zu dieser Zeit); eine andere Sache ist, dass er zu dieser Zeit nicht über seine Bücher sprach (ihr Zyklus „Die unbezwungene Stadt“ wurde gerade veröffentlicht, was ein Ausdruck seiner zutiefst parteitreuen Ansichten über polnische Intellektuelle während des Krieges war). Die Chronik informiert uns, dass ... „er interessant über die traurigen Erlebnisse der kleinen Koreaner erzählte“.

Natürlich könnten all diese historischen Anekdoten auch erzählt werden, wenn das Gebäude in der Allee Wojska Polskiego 84 weiter geduldig verfallen wäre, Jahr für Jahr, wie es schon früher geschah, manchmal erinnerte daran nur irgendein Medienalarm (sowas gibt es auch, zum Glück, wozu gibt es sonst Medien!), oder sogar als Ruine da stand und darauf wartete, dass sich jemand an sie erinnert...

Und vielleicht würde es irgendein privater Investor tun, das heißt, er würde sich daran erinnern, dass es sich lohnt zu investieren, aber dann würde er es vergessen, dass es notwendig ist, etwas anderes zu tun, und die Villa Lentz wäre ein weiteres totes Denkmal, das vor unseren Augen stirbt...

Man würde beim Vorbeigehen schwer seufzen und sagen: weißt du noch, wie lebendig dieses Haus war, wie viele Kinder hier waren, wie viele kulturelle Veranstaltungen später...

Jemand könnte sogar erwähnen, dass sie das Zentrum der Initiative „Szczecin 2016“ beherbergte – die daran gearbeitet hat, Szczecin – in jenem Jahr 2016 – zur Kulturhauptstadt Europas zu machen. Oh, das Schicksal der Villa wäre in diesem Zusammenhang genauso signifikant wie das Scheitern von Szczecin in jenem Wettkampf um den Titel der Hauptstadt.

Ich lasse bewusst die schwarzen Wolken dieser katastrophalen Prophezeiung über der Villa niedergehen, um den Kontrast zu ihrem tatsächlichen Schicksal hervorzuheben. Trotz unserer Befürchtungen haben wir keinen Verfall erlebt, im Gegenteil, die Stadt hat viel getan, um die Villa wieder zu erhalten und sie zu dem zu machen, was sie ist. Eine ihrer schönsten, und mit der Zeit vielleicht emblematischsten, Abbildungen. Sagen wir es ganz offen: Die Villa hätte man einfach sanieren und nutzbar machen können, auch wenn sie nur eine entfernte Kopie der ursprünglichen Form gewesen wäre. Und wahrscheinlich hätte es keine großen Proteste gegeben, und wenn doch, hätten sie sich bald gelegt. Das Leben geht schnell weiter, die Realität hat ihre eigenen, immer neuen Themen. Aber die Stadt – und sagen wir es ganz offen – die Stadtväter, wählten einen schwierigeren, wirklich nicht offensichtlichen Weg. Sie entschieden sich dafür, die Palastvilla in ihrer prächtigsten, ursprünglichen Form nachzubauen. Es lohnt sich, daran zu erinnern, denn es ist eine echte Rarität in der Geschichte von Szczecin, zumindest in dieser Größenordnung.

So ist die Villa Lentz heute nach Meinung von Architekturfachleuten und Kulturhistorikern „der prächtigste Fabrikantenwohnsitz“, „ein herrliches Beispiel für den Stil des Zweiten Kaiserreichs“ (des französischen!), „ein wunderbares Beispiel für Eklektizismus“ (Barock, Manierismus, Renaissance und „Maurischer Saal“ – ursprünglich ein Badezimmer) und man kann sie wohl als einen sehr komplexen Juweliermechanismus bezeichnen, aber all dies, zusammen mit ihrer reichen und paradoxen Geschichte, beweist einfach, dass es ein Juwel ist, das seit langem Widersprüche vereinen kann und aus ihrer Vielfalt einen Vorteil etabliert – schön und koloriert (wenn ich hier einen Reim dichten darf).

Das soll sie auch in ihrem neuen Leben machen. Als Villa Lentz – aus Respekt vor der Vergangenheit und Tradition, aber auch, implizit und symbolisch, als Villa Nova. Und als solche soll sie ein Teil von Szczecin werden. In der Geschichte der Stadt, in ihrer Kultur, in ihrer Nicht-Offensichtlichkeit...

ADL
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